Scheint der Sonne letzter
Strahl, abends in dein Zimmer, so denk auch an mich einmal, ich verlangs nicht
immer.
Rosen mögen Dich
umkränzen, Veilchen und Vergissmeinnicht, Hell und freundlich soll dir
glänzen, jeden Tag im ros'gen Licht. Ferne bleibt die Ferne Not und
Leiden, ferne jedes Missgeschick, Deine Pfade mög begleiten, stets ein
ungetrübtes Glück.
Wenn einst Dein Haar Dir
grau, und Dein Auge diese Zeilen schaut, so denke als vor vielen Jahren wir
beide in der Schule waren.
Mach Gehormsam dir zu
eigen, folge gern der Eltern Wort, lerne reden, lerne schweigen, aber stets am
rechten Ort. Gegen ältere sei bescheiden, gegen Jüngere freundlich
hold. Alles Böse lerne meiden, glaube, dass ist mehr als
Gold.
Sing, bet und geh auf
Gottes Wegen, verrichte Deine Pflicht getreu, trau ihm und seinem reichen Segen
so wird er täglich bei dir neu. Denn wer seine Zuversicht auf Gott setzt,
den verlässt er nicht.
Ein Kränzlein wollt
ich binden, da kam die dunkle Nacht, kein Blümlein war zu finden, sonst
hätt ich Dir's gebracht.
Glücklich ist wer
niemand hasst, auch nie lebt im Streite, und das Leben immer fasst von der
heitren Seite.
Hoffe wenig und wirke
viel, das ist der beste Weg zum Ziel.
Gott schätzt nicht,
was Du Gutes nur wie Du es getan, er schaut die Früchte nicht, nur Kern
und Wurzel an.
Trifft Dich ein Schmerz,
so halte still, und frage, was er von Dir will, die Liebe Gottes schickt Dir
keinen, bloss darum, dass Du mögest weinen.
Vergesse nie die Heimat,
wo Deine Wiege stand, Du findest in der Ferne kein zweites
Heimatland.
Sei wie das Veilchen im
Moose, sittsam, bescheiden und rein, und nicht wie die stolze Rose, die immer
bewundert will sein.
Seine Eltern herzlich
lieben, sie im Leben nie betrüben, das ist eine Kinderpflicht, Kind
vergiss das nicht.
Jeder Mensch kann ein
Fleckchen Erde ein wenig fruchtbarer, ein wenig lieblicher und
gotteswürdiger gestalten, er kann einige oder auch nur einen Menschen ein
wenig gesünder und arbeitsfähiger, ein wenig mutiger und
glücklicher machen...und er hat damit ein Gotteswerk
getan.
Trübt Dich Dein
Lebenslauf, blicke zum Vater auf, Menschen, lass Menschen sein, helfen kann
Gott allein.
Blüh an Deiner
Elternseite, wachse tugendhaft heran, und der Engel Gottes leite, Dich stets
auf Deiner Lebensbahn.
Weisheit wohnt nicht im
Lärm, lausche den Wundern der Stille.
Sei fröhlich in
Deiner Jugend, in Freud und Leid, sie kommt nie wieder, die goldene
Zeit.
Mach dem Vater keine
Sorgen, mach der Mutter keinen Schmerz, denn Du weisst nicht ob schon morgen,
bricht der Tod ihr treues Herz.
Lieben und geliebt zu
werden, ist das höchste Glück auf Erden.
Das Glück ist nicht
ausser uns und nicht in uns, sondern in Gott, und wenn wir es gefunden haben,
ist es überall.
Üb immer Treu und
Redlichkeit, bis an Dein kühles Grab, und weiche keinen Finger breit, von
Gottes Wegen ab.
Strebe rastlos nach
Vollendung, nur Verdienst ist wert des Lohnes, für versäumte gute
Taten, gibt es keine Wiederkehr.
Einst wollt ich einen
Kranz Dir binden, und konnte keine Blume finden, jetzt find ich Blumen fern und
nah, ach, aber Du bist nicht mehr da!
Ich wünsche Dir
für alle Zeit, Gesundheit, Glück, Zufriedenheit, Gott möge vor
Gefahren, in Gnade Dich bewahren.
Wer mit dem Leben spielt,
kommt nie zurecht, wer sich nicht selbst befiehlt, bleibt immer
Knecht.
Geniesse, was Dir Gott
beschieden, entbehre gern, was Du nicht hast, ein jeder Stand hat seinen
Frieden, ein jeder Stand hat seine Last.
Ich fühle Mut, mich
in die Welt zu wagen, der Erde Weh, der Erde Glück zu tragen, mit
Stürmen mich herumzuschlagen und in des Schiffbrauchs Knirschen nicht zu
zagen.
Das Ewige ist Stille,
laut die Vergänglichkeit, schweigend geht Gottes Wille, über den
Erdenstreit.
Gedenke der Jugendjahre,
gedenke der Jugendglück, es waren die schönsten Jahre, sie kehren nie
wieder zurück.
Unter Tannen unter
Linden, wirst Du wohl ein Blümlein finden, das ganz leise zu Dir spricht:
Lebe wohl, vergiss mein nicht!
Willst Du immer weiter
schweifen, sieh das Gute liegt so nah, lerne nur das Glück ergreifen, denn
das Glück ist immer da.